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Die Haltung der Degus an die Lebensweise in Chile angepasst. -
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Wolfin BeitragVerfasst am: 20.05.2009 20:52,

Die Haltung der Degus an die Lebensweise in Chile angepasst.

Degus (Octodon Degu) Gewöhnlicher Degu

Allgemeine Infos zur Haltung, an die Lebensweise in Chile angepasst.


Die wilden Verwandten unserer Heimdegus leben in Chile. Die Degus sind mit Meerschweinchen und Chinchillas verwandt. Die Verwandtschaft beschränkt sich aber auf eher biologische Merkmale wie Körperbau, Gebiss etc. Denn im Gegensatz zu Chinchillas ist sind die Klettereigenschaften von Degus eher begrenzt. Auch die Lebensweise der Meerschweinchen unterscheidet sich deutlich von derjenigen der Degus.
Alle sind drei Nagetiere sehr sozial und leben in Gruppen.
Wildlebende Degus bevorzugen eine offene Landschaft. Unter Sträuchern suchen sie Schutz vor Feinden. Es wird leider immer noch auf diversen Internetseiten erwähnt dass Degus, auf Bäume oder auf Sträucher klettern. Leider stimmt diese Aussage nicht ganz. Selten klettern sie auf Bäume oder Sträucher um Nahrung zu finden.
Diese Beobachtung konnte ich auch bei meinen eigenen Degus machen. Zum Klettern benutzen sie am liebsten Rampen oder sehr dicke Äste. Dünne und wacklige Äste werden gemieden resp. gar nicht benutzt.
Einzig der Walddegu klettert auf Bäume. Er unterscheidet sich zudem von „unseren“ Degus durch sein grösseres Verbreitungsgebiet, dadurch, dass er im Wald lebt und im Gegensatz zu anderen Degu-Verwandten ausschliesslich nachtaktiv ist. Ebenso fehlt im die Schwanzquaste.
Obwohl immer wieder erwähnt wird, dass Degus meilenweit gehen um Nahrung zu finden, haben Feldstudien gezeigt, dass sie tatsächlich mehr als 1 Km pro Tag gehen.
Deshalb scheint es nach wie vor umstritten, ob Degus ein Laufrad benötigt oder nicht. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass bei einem gut strukturierten Terrarium oder Käfig mit viel Abwechslung und Beschäftigungsmöglichkeiten auf ein Laufrad verzichtet werden kann. Wer aber als Abwechslung seinen Degus hin und wieder ein solches Rad anbietet, wird sehen, dass es gerne benutzt wird. Gehört ein Laufrad aber zur Dauereinrichtung eines Deguheims, sollte man dieses nicht einfach entfernen. Schnell wird man bemerken, dass sich die quirligen Nager nach dem Rad sehnen. Sie fangen an am Gitter zu nagen oder leiden plötzlich an Zerstörungswut. Interessant ist, dass Degus mit Laufrad oft weniger buddeln als Degus ohne Laufrad.
Haben sich die Degus aber erst mal daran gewöhnt, dass das Laufrad nicht mehr da ist, fangen sie mehrheitlich an zu buddeln, spielen mehr miteinander und fangen an sich allgemein mehr zu beschäftigen.
Um eine ungesunde Verkrümmung des Rückens zu vermeiden, ist es wichtig, dass ein potentielles Degu-Laufrad einen Durchmesser von mind. 28-30 cm haben muss.

Auch gibt es immer wieder Unstimmigkeiten bezüglich Käfiggrösse. Auch hier gibt die Lebensweise der wildlebenden Degus wichtige Informationen und Hinweise. Degus graben ihre Bauten bevorzugt unter Sträuchern, Schotternhügeln oder Felsen. Die Gänge haben einen Durchmesser von ca. 8 cm, sind 15-60 cm tief und können eine Länge von bis zu 2 m und mehr aufweisen. Degus verbringen nur einen geringen Prozentsatz ihres Tages mit graben. 2/3 des Tages verbringen sie an der Erdoberfläche mit Nahrungssuche, Sandbaden und Fressen.
Dies zeigt deutlich, dass Buddeln zwar nicht die Hauptbeschäftigung der Degus ist, das Anlegen von Höhlen- und Gangsystemen aber dennoch einen wichtigen Platz in ihrem Tagesablauf einnimmt.
Darum wird ein Käfig mit grosser Grundfläche empfohlen, der auch bezüglich der Höhe eine dicke Schicht Einstreu erlaubt.
Degus sind keine Hörnchen, die sich mehrheitlich auf Bäumen aufhalten und den Erdboden nur kurz betreten. Dies zeigt sich auch deutlich in den anatomischen Unterschieden zwischen Degu und Hörnchen. Ein Hörnchen ist vom Körperbau sehr athletisch, ein Degu wirkt eher plump und pummelig.
Käfige die höher als breit sind, eignen sich nur bedingt für Degus. Wenn die Grundfläche, wie im neuen Tierschutzgesetz vorgeschrieben, 0.5 m2 nicht unterschreitet, kann auch ein hoher Käfig ein geeignetes Deguzuhause sein. Auch ungeeignet sind Volieren. Das Gitter kommt bis an den Boden weshalb keine Möglichkeit besteht, eine hohe Schicht Einstreu einzufüllen. Ausserdem sind die meisten Volieren für Hörnchen, Ratten oder Vögel gebaut.
Wie hoch sollte ein Degukäfig denn nun sein? Darüber herrscht keine grosse Einigkeit unter den Deguexperten. Während einige einen möglichst hohen Käfig empfehlen, sind andere, wie auch ich, der Meinung, dass die Höhe nicht überbewertet werden sollte. 80-100cm reichen völlig aus, wenn die Grundfläche die Masse von 120 x 50 cm nicht unterschreitet.

Die chilenischen Degus ernähren sich ausschliesslich von Blättern, Gras und Rinde und einem geringen Anteil von Samen und Getreide. Interessant ist, dass Degus einen Vorrat anlegen obwohl sie keinen Winterschlaf halten.
Auch Heimdegus vergraben das Futter wenn es im Übermass vorhanden ist. Man könnte annehmen, dass sie das Futter für „schlechtere Tage“ aufbewahren.
Eine „artgerechte“ Ernährung für unsere Degus wäre somit, Heu als Hauptfutter, Kräuter, Blätter und Blüten und ein geringer Anteil an Samen oder Getreide.

Degus verbringen 90% mit herumsitzen, Futter suchen und fressen. Sie rennen nur, wenn sie vor Feinden flüchten, um schnell den Liegeplatz zu wechseln wenn er zu heiss wird oder um einen fremden Degu aus dem Territorium zu verjagen. Mit diesem Verhalten können die Degus ihren Energiehaushalt optimal einteilen.
Da unsere Heimdegus nur einen begrenzten Raum ihre Tätigkeit zur Verfügung haben, keine Konkurrenten verjagen müssen und keine Feinde haben, ist es umso wichtiger, Degus möglichst energiearm zu ernähren.

Immer wieder geraten männlichen Degus aneinander. Ich versuche wiederum die Erklärung bei den wildlebenden Degus zu suchen.
Tatsache ist, während der Paarungszeit beginnen sehr heftige Revier- und Ressourcen-Kämpfe unter den Männchen. Jeder will sich das Recht zur Verpaarung erkämpfen und so auch seine Stärke und körperliche Fitness demonstrieren. Denn nur der Stärkste und Fitteste darf sich verpaaren. So ist das Gesetzt der Natur.
Dieses Vorrechts-Gehabe scheinen die Degus auch in „Gefangenschaft“ nicht verloren zu haben.
Wenn man sich an eine Vergesellschaftung heranwagt, sollte man es nicht mit gleichstarken oder pubertierenden Degus versuchen. Die Zankerei wäre vorprogrammiert.
Es gibt auch durchaus Fälle, bei denen sich Vater und Sohn oder zwei Brüder ganz heftig in die Haare kriegen. Der Sohn will die Ressourcen von seinem Vater streitig machen. Der Vater will sich dies natürlich nicht gefallen lassen und so werden aus Sohn und Vater grosse Konkurrenten.
Sandbaden ist ein sehr wichtiges und soziales Ritual, das nicht nur zur Fellpflege dient. Das Wälzen im Sand beseitigt Parasiten und überschüssiges Fett im Fell. Degus markieren auch das Sandbad mit Urin und einem Analsekret im Kot. Der Sand nimmt somit den Geruch jedes einzelnen Gruppenmitgliedes an. Nicht Gruppenzugehörige werden so sofort erkannt und aus dem Revier gejagt.
Es kommt vor, dass sich fremde Degus im Sandbad einer Gruppe wälzen um die Chance zu vergrössern von den anderen akzeptiert zu werden.
Es ist deshalb wichtig, das Sandbad nicht jedesmal zu sieben, wenn sich Urin und Köttel darin befinden. Auch bei einer Vergesellschaftung, sollte man deshalb die Sandbäder der zu vergesellschaftenden Degus tauschen, bevor man sie zusammensetzt. Die Chancen, dass eine Vergesellschaftung dadurch harmonischer über die Bühne geht, steigen damit.

Feldstudien in Chile haben gezeigt, dass Degus in Gruppen und Familien unterteilt sind.
Degu Gruppen leben auf ca. 200 m2 und umfassen ca. 75 Tieren.
Diese Gruppen unterteilen sich in Familien von max. 3-7 Tieren. Das sind 1-2 Männchen mit 2-5 verwandten Weibchen. Nicht in Familien oder Gruppen integrierte Degus leben auch als Einzelgänger.
Das zeigt wiederum sehr deutlich wie schwer eine Vergesellschaftung in Gefangenschaft durchzuführen ist. Man sollte wirklich die Chancen erhöhen in dem man auf den Charakter der Tiere eingeht. Zu einem Dominanten eher ein Unterwürfigen Gesellen aussuchen. Nicht zu lange versuchen, zerstrittene Degus immer und immer wieder zu vergesellschaften. Wenn die Chemie nicht stimmt, dann passt es auch nicht. Auch wenn es weh tut sich von einem geliebten Kobold zu trennen, sollte man seine Bedürfnisse zurückstellen und zum Wohle des Tiere entscheiden.

Ein wichtiges Thema bei den Degus ist auch die Krankheit Diabetes melitus. Bei viele Degu-Haltern noch immer ein sehr gefürchtetes Thema.
Hier möchte ich nicht auf die Symptome eingehen, da man viel in Foren und in der Fachliteratur darüber lesen kann. Allerdings möchte ich eine Umfrage, die ich auf Degu Wiki gefunden habe, zusammenfassen.
Die Umfrage wurde von einer Tierärztin im März 2003 gemacht. Insgesamt wurden 64 Fragebögen zum Thema Diabetes ausgefüllt. Im ersten Moment erscheint es ein bisschen wenig, aber wenn man bedenkt, dass nur jeder 10. Degu in Gefangenschaft erkrankt, scheint das Feedback doch einigermassen aussagekräftig.

Hier die Ergebnisse der Umfrage:

Alter: Sehr auffällig ist, dass Degus gehäuft im Alter von ½ bis 3 Jahren an Diabetes erkrankten. Über einem Alter von 3 ½ Jahren erkrankte kein Tier mehr.
Geschlecht: Männchen erkranken wesentlich häufiger als Weibchen. Ca. 80% der Diabetes Degus waren männlich.

Linsentrübung: Fast alle Degus bekommen innerhalb kürzester Zeit auf beiden Augen einen grauen Star und erblinden. Tiere mit einseitigem grauem Star sind erst kürzlich erkrankt.
Überlebenszeit nach der Erblindung der Linsentrübung: Erkrankte Tiere sterben entweder ziemlich bald nach dem Ausbruch der Erkrankung (etwa bis zu einem ½ Jahr) oder werden normal alt.

Gewicht: Hier variieren die Ergebnisse stark. Eine Tendenz zum Abmagern ist jedoch erkennbar, aber nicht unbedingt aussagekräftig.

Ernährung: Etwa 90% aller erkrankter Degus bekamen vor Ausbruch der Erkrankung unterschiedlich grosse Mengen an zuckerhaltiger Ernährung(Drops, Obst, o.ä) Diese Tiere wurden aber alle in einer Gruppe mit gesunden Tieren gehalten, welche dieselbe Fütterung bekamen.
Verwandtschaft: Nur von ca. 45% der Tiere sind blutsverwandte Tiere. Von diesen 45% waren in sämtlichen Fällen Diabetes Erkrankungen in naher Verwandtschaft bekannt.

Glucose- Messungen im Blut: Bei drei Tieren ist der Glucose Wert gemessen worden und war bei allen drei Fällen stark erhöht.

Zusammenfassung des Kommentars:
Auch wenn die vorliegenden Ergebnisse natürlich nur der Ansatz einer Untersuchung zum Thema Diabetes beim Degu sein können, ergeben sich doch einige interessante Auffälligkeiten, wie das Geschlecht und das Alter der erkrankten Tiere.
Vielleicht ist es für einige Halter beruhigend zu wissen, dass erkrankte Tiere durchaus aber gute Chancen haben, ganz normal alt zu werden.
Auffallend ist in jedem Fall die familiäre Häufung von erkrankten Tieren. In einigen Zuchtlinien scheint die Wahrscheinlichkeit definitiv höher, dass Tiere erkranken. Jedoch kann Inzucht in Käfighaltung als alleinige Ursache wohl ausgeschlossen werden, da selbst bei Untersuchungen in freier Natur in Chile Tiere mit Linsentrübung eingefangen wurden.
An Hand der Auswertung der Umfragen wird bezweifelt, dass eine zuckerhaltige Ernährung alleine zum Ausbruch der Erkrankung führt. Dazu gibt es zu viele Fälle von Tieren. die trotz zuckerhaltiger Ernährung nicht erkranken. Ebenso bietet das gehäufte Auftreten bei männlichen Tieren Anlass zum zweifeln. Dennoch wird ein genereller Verzicht auf stark zuckerhaltige Nahrungsmittel empfohlen. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass in Degu-Gruppen, die eine zuckerarme Ernährung erhielten, das Risiko an Diabetes zu erkranken wesentlich reduziert werden konnte. Zudem kommen Degus in freier Natur praktisch nie mit so kohlenhydratischer Kost wie Drops oder Obst in Kontakt. Diese für die kleinen Nager ungewohnten Nahrungsmittel belasten also zusätzlich unnötig deren empfindliches Verdauungsystem. Bei Diabetes erkrankten Tieren gilt es als ein absolutes Muss, ganz speziell auf die Ernährung zu achten. Falsche Fütterung verstärkt die Krankheitssymptome zusätzlich.

Text: Wolfin
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